Geschichte

Ein vielversprechender Anfang für die Blasmusikforschung
Das Motto von Anfang an war „Die Blasmusik wird erforscht und rehabilitiert“. Als markante Punkte auf dem Weg der Blasmusikforschung sind zunächst 1966 die Kommission zur Erforschung des Blasmusikwesens in Sindelfingen und 1974 die Gründung der Internationale Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGB) in Graz zu nennen. Musikwissenschaftliche Kongresse von 1975 und 1988 gaben den Anstoss, dass die Pannonische Forschungsstelle (PFS) am 1. Juni 1990 unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Suppan eingerichtet wurde. Damals war die Idee eine Zusammenarbeit mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und dem Institut für Musikethnologie 13 Graz, um die Musikkultur des Pannonischen Raumes zu erforschen. Als erstes Projekt wurde das Thema „Blasinstrumente und
Bläsermusik im Pannonischen Raum seit dem 16. Jahrhundert“ eingerichtet. Das Zentrum wurde nach den Projektjahren bei der Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ab Juli 1993 dem Institut 13 für Musikethnologie zugeteilt und seit 2002 dem Institut 12 Oberschützen angegliedert. Die Ernennung von Bernhard Habla zum Präsidenten der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB) im Jahr 2000 hat eine engere Zusammenarbeit zwischen dieser Gesellschaft und  der Kunstuniversität Graz geschafften. Dies ermöglichte eine erweiterte Rolle der Pannonischen Forschungsstelle im Bereich der internationalen Erforschung des Blasmusikwesens.

Das International Center for Wind Music Research
Im Februar 2013 wurde die PFS in den neu renovierten und ausgestatteten Räumlichkeiten am Institut Oberschützen eingerichtet und dazu durch ein Sonderprojekt des Rektorats der Kunstuniversität Graz zum International Center for Wind Music Research (Internationales Zentrum für Blasmusikforschung) erweitert. Die Räumlichkeiten der Bücherei Oberschützen wurden in der Folge einem kompletten Umbau unterzogen. Arbeitsplätze für Personal, Studierenden und Besucher wurden eingerichtet und ein eigener Server aufgestellt. Nun werden die Bestände der PFS im Bibliothekskatalog der KUG aufgenommen, so dass via Internet die Bestände auch von außerhalb der KUG eruiert werden können. Mit einem Festakt wurde am 11. Oktober 2013 das neu errichtete International Center for Wind Music Research
(Oberschützen) eröffnet. Es wurde em. O. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Suppan zum 80. Geburtstag gratuliert und war zugleich eine Hommage für seine Pionierleistungen im Bereich der Blasmusikforschung. Prof. Dr. Damien Sagrillo von der Université du Luxembourg sprach in seinem Festvortrag über „Blasmusikforschung – Rückblick – Ausblick“ ausführlich über die Tätigkeiten Wolfgang Suppans und betonte u. a. die regionale Musikforschung, die für das Gesamtbild der Musikgeschichte sehr wichtig sei. Weitere Höhepunkte waren Ansprachen über die Stellung und die Bedeutung der PFS. Auch für die musikalische Umrahmung des feierlichen Anlasses sorgten die Studierenden von der Univ. Prof. Barbara Ritter, die Stücke von Cherubini und Haydn für Harmoniemusik aufführten.

Bestände und Aufgaben
Die Materialien der Zweigstellenbibliothek, welche der neue Leiter Dr. Bernhard Habla seit 2000 zusammengetragen hat, haben eine unglaublich umfangreiche, aber nur schätzbare Größe ausgemacht. Eine Hauptaufgabe der Pannonischen Forschungsstelle war und ist das Sammeln aller relevanten Quellen zur Erforschung der Blasmusik. Sie enthält mehr heute als 30.000 Exemplare, darunter Blasmusikzeitschriften, Fachbücher, Dissertationen, Verlagsverzeichnisse, Tonträger oder Notenmaterial ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts (Direktionsstimmen, Partituren, Stimmsätze, etc.). Weiters beherbergt die Bibliothek eine fast ebenso umfangreiche Sammlung von Salonorchesterliteratur, die ja historisch gesehen sehr eng mit den Werken für Blasorchester zusammenhängt. Die Forschungsstelle archiviert aber noch tausende Literaturquellen, die noch nicht aufgenommen und noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Neben diesen vorwiegend Archivarbeiten brachte die Forschungsstelle auch Vorlesungen nach Oberschützen, die das Studienangebot für Studienrede der Kunstuniversität Graz erweiterten. Die PFS initiiert aber auch die Aufführung von historischem Notenmaterial. Bei diesen Projekten wirken musikwissenschaftliche Arbeit direkt mit der praktischen Aufführung und seinen musikalischen und szenischen Fragestellungen zusammen. Seit der Gründung des Pannonischen Blasorchesters (PBO) wurde dieses repertoiremäßig von der PFS beraten und über 20 Jahre auch organisiert. Seit 1991 wurden 15 CDs aufgenommen, darunter von 2007 bis 2011 die sechsteilige CD-Serie PBO Europa Sinfonie mit 13 original für Blasorchester komponierten Symphonien europäischer Komponisten aus den letzten zwei Jahrhunderten.

Ein einzigartiges Zentrum zur Erforschung und Förderung der geblasenen Musik
Im September 2017 hat Dr. phil. David Gasche die Leitung der Pannonischen Forschungsstelle am Institut Oberschützen übernommen. Die Arbeitsschwerpunkte, die 1966 in Sindelfingen mit der Kommission zur Erforschung des Blasmusikwesens beschlossen wurden, sind grundsätzlich geblieben. Es handelt sich um das gedruckte Notenangebot für Blasmusik, die bibliographische Erfassung von über 30 000 Notenausgaben sowie deren Auswertung, die Sammlung und Veröffentlichung von Quellen und Literatur, Forschungstätigkeit, Lehrtätigkeit und Betreuung von wissenschaftlichen Arbeiten.
Alle Forscher/-innen, Musikwissenschaftler/-innen, Studierenden, Dirigenten/-innen und Musiker/-innen sind herzlich eingeladen, um die Sammlungen einzusehen und Projekte durchzuführen. Die Bibliothek freut sich über Neuzugänge wie etwa an Büchern, Partituren und Archiven. Zusammen mit der IGEB bildet das Forschungszentrum ein Netzwerk und steht damit im Austausch mit Blasmusikforscher/-innen der ganzen Welt. Das International Center for Wind Music Research widmet sich daher als Pionier der zunehmenden deutschen Blasmusikforschung und es ist äußerst in die Zukunft orientiert, damit die Erforschung und Förderung der geblasenen Musik aller Art gewährleistet wird.